Das wird der neue Bond – Fakt & Fiktion

Das wird der neue Bond – Fakt & Fiktion

“James Bond will return” – wie schon bei nahezu allen Filmen der populären Agentenfilmreihe, war auch am Ende des letzten 007 Abenteuers “Spectre” dieser Satz zu lesen. Er gehört bereits fest zum Repertoire wie Aston Martin, Walther PPK und Vodka Martini. Doch wann genau kehrt Bond zurück? Wie könnte der nächste Film aussehen und wird Daniel Craig erneut die Titelrolle übernehmen?

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Jene Fragen beschäftigen weltweit Fans bereits seit Monaten. Auch die internationale Presse mischt kräftig mit, allen voran die britische yellow press. Von einem Darstellerwechsel war plötzlich die Rede, Daniel Craig habe seine Walther PPK endgültig an den Nagel gehängt. Angeblich hatte es bereits Screentests mit potentiellen Nachfolgern gegeben. Aidan Quinn, Idris Elba, Michael Fassbender, Henry Cavill, Jack Huston und Tom Hiddleston schafften allesamt den Sprung auf das imaginäre 007 Besetzungskarusell.

Für Schmunzeln sorgte die Meldung, Schauspielerin Gillian Anderson (bekannt als FBI Agentin Dana Scully aus “Akte X”) zeige sich ebenfalls interessiert an der Rolle. Ihren Ursprung hatte die vermeindliche Sensationsmeldung in einem Tweet der Schauspielerin. Hierin drückte sie ihre Freude über ein Fanposter aus welches sie vor dem legendären Gunbarrel zeigt. Die Fans spielten verrückt. Die Einen aus Entsetzen, Andere vor Begeisterung. “Das war sehr schmeichelhaft. Es war eine spaßige kleine Sache die sich eine Weile verbreitete,” sagte Anderson.

Doch je mehr sich die Meldungen häuften, je konkreter diese auch zu werden schienen, so hatten sie doch alle eine Gemeinsamkeit: mehr heiße Luft als in der Savanne. Warum sich dies mit Bestimmtheit sagen lässt? Gegenwärtig aufgrund mehrerer Faktoren: weder gibt es einen neuen Filmvertriebspartner (näheres hierzu weiter unten), noch einen verpflichteten Regisseur der in der Regel die Castings vornimmt. Schließlich muß er am Ende mit den ausgewählten Akteuren arbeiten. Zugegeben, die Dichte an vermeindlichen Insiderinformationen konnte so manch einen zweifeln lassen, ob nicht doch hinter verschlossenen Türen bereits einiges im Umbruch ist. Fakt und Fiktion voneinander zu trennen sorgte bei vielen Bond Fans beinahe täglich für entnervtes Augenrollen.

Replacement options for Daniel Craig? (l.t.r.) Henry Cavill, Aidan Turner, Tom Hiddleston, Michael Fassbender
Ersatzmöglichkeiten für Daniel Craig? (v. l.) Henry Cavill, Aidan Turner, Tom Hiddleston, Michael Fassbender

Macht Daniel Craig weiter als 007?

Essentieller Kernpunkt für die Zukunft von Bond ist zweifelsohne der Hauptdarsteller. Seit 2006 verkörpert der britische Schauspieler Daniel Craig die Rolle des Gentlemanagenten im Auftrag ihrer Majestät und spaltet mit seiner energiegeladenen Verkörperung seit jeher die Meinung der Fans und Kritiker. Während die einen seine Performance als beste seit Timothy Dalton würdigen, so lehnen andere Craig gänzlich als 007 ab. Fakt ist, Craig spielt James Bond wie Autor Ian Fleming ihn geschrieben hat – brutal, effektiv, stellenweise gefühlskalt und dann wieder mit vertraut britischem Charme. Gepaart mit einer mysteriösen Welt aus exotischen Drehorten, schönen Frauen und massig Action ergibt sich modernes Popcornkino vom Feinsten. Die Besucherzahlen zeigen, es ist es eine Kombination die funktioniert. Somit führen die vier Craig Bonds nicht nur die Rangliste der erfolgreichsten James Bond Filme an, “Skyfall” (2012) thront gar ungeschlagen auf Platz 1. Wer würde in Anbetracht dessen freiwillig seinen Hut nehmen?

“Was meine persönliche Meinung angeht, so habe ich doch den besten Job der Welt. Ich mache ihn so lange ich Freude daran habe.”Daniel Craig im Oktober 2016
Daniel Craig on stage at the New Yorker Festival - Photo: Getty Images
Daniel Craig beim New Yorker Festival – Photo: Getty Images

Nach monatelangen Meldungen, Craig habe mit Bond endgültig abgeschlossen, ja sogar offiziell gekündigt, war die Ungewissheit innerhalb der Fancommunity größer denn je. Mit Spannung erwartet wurde daher Craigs Auftritt bei einem Festival des Magazins New Yorker am 07. Oktober. In einem entspannten Bühnentalk mit Autor und Journalist Nicholas Schmidle war die Frage zu Craigs Zukunft als Bond unumgänglich. Es gäbe noch keinerlei Verhandlungen zum nächsten Film, versicherte Craig die Zuschauer. Doch wie sieht es mit den Gerüchten um seinen Rücktritt aus? “Was meine persönliche Meinung angeht, so habe ich doch den besten Job der Welt. Ich mache ihn so lange ich Freude daran habe,” so Craig. “Würde ich jetzt aufhören, dann würde ich ihn sehr vermissen.”

Einen ähnlichen Wortlaut könnte man von Bond Produzentin Barbara Broccoli erwarten. Sie gilt als glühende Verehrerin von Daniel Craig. Zwar gibt es gegenwärtig seitens der Bond Produktionsfirma EON Productions keine Stellungnahme zur Zukunft der Bond Filmreihe, in einem Interview mit der BBC gab Executive Producer Callum McDougall jedoch kürzlich zu verstehen, dass Craig nach wie vor die erste Wahl für Barbara Broccoli sei.

Der Meldung aus dubioser Quelle, das Filmstudio Sony Pictures habe Craig die astronomische Gage von 150 Millionen Dollar für zwei weitere 007 Streifen geboten, fehlte es nicht nur an offizieller Stellungnahme sondern vor allem an Glaubwürdigkeit.  Nimmt man das Businessgefüge der Bondfilme genauer unter die Lupe, so kommt Licht ins Dunkel. Mit dem letzten Bondfilm “Spectre” endeten die vertraglichen Vertriebsrechte für Sony Pictures welche nun neu ausgehandelt werden müssen. Das Bond Franchise ist somit “auf dem Markt”. Anderen Filmstudios gibt dies nun Gelegenheit mitzubieten um künftig als neuer Vertrieb zu agieren. Namhafte Studios wie Paramount, Universal, Warner Bros und auch Disney haben ihr Interesse bekundet. Verständlich, die Bondreihe ist als längste Filmserie der Welt schließlich garantierter Kassenschlager – der umgangssprachliche “Goldesel”. Die letztendliche Entscheidung fällt zwei Parteien zu: den Lizenzinhabern EON Productions und Filmstudio Metro Goldwyn Mayer, dem Hauptvertriebspartner seit nunmehr 53 Jahren. 

Andreas Pott, Präsident des James Bond Club Deutschland, findet deutliche Worte: “Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Daniel Craig für „Bond 25“ noch einmal unterschreibt – falls er es nicht gar schon getan hat.” Hinzu komme Craigs Status als Co-Produzent, erklärt Pott. Als einziger Darsteller in der Bondgeschichte hat er diese Position seit “Spectre” inne. “Das bedeutet, mit „Bond 25“ hätte er endgültig finanziell ausgesorgt,” so Pott weiter. “Danach könnte er sich die Rollen aussuchen. Spielen, was ihm gefällt. Sogar auf den Oscar hinarbeiten. Seine Bond Karriere hätte er würdig beendet. Er hält die Fäden in der Hand.”

Es bleibt also vorerst dabei: Nichts ist bislang entschieden und Fans müssen sich noch etwas gedulden. Es gibt weder einen neuen Vertriebspartner für Bond, folglich auch noch keinen Regisseur und somit ebenfalls keine definitiven Castingentscheidungen. Alles andere ist und bleibt reine Spekulation.

Was erwartet uns im nächsten Bond?

Auch wenn ohne neuen Vertriebspartner keine Vorproduktion beginnen kann, so gibt es dennoch einen sehr wichtigen Schritt der bereits in Arbeit ist: das Drehbuch. Eine verlässliche Quelle, auch wenn diese stets mit Vorsicht zu genießen sind, bestätigte gegenüber dem Bond Bulletin dass seit Anfang Mai diesen Jahres an einem Entwurf gearbeitet wird. Genaueres ist wie immer streng geheim!

Rückkehr für Christoph Waltz als Blofeld?
Rückkehr für Christoph Waltz als Blofeld?

Möglichkeiten gibt es viele, gerade nachdem das Finale von “Spectre” viele Fans unzufrieden zurück ließ. Die Geschichte war nicht zu Ende erzählt worden. Seit dem Reboot der Bondreihe mit “Casino Royale” im Jahre 2006 sind alle Daniel Craig Bondfilme durch partielle Handlungsbögen miteinander verbunden, eine Neuerung die vielfach auf Kritik stieß.

Mit Bond 25 würde erneut eine direkte Verbindung zum Vorgänger “Spectre” möglich. Bonds Erzfeind Blofeld verstarb am Ende nicht, landete hingegen in Haft. Für Schauspieler Christoph Waltz, nach eigener Aussage unzufrieden mit seiner Darstellung des legendären Bondbösewichts, ergäbe sich somit die Chance einer Rückkehr. Das entstellte Gesicht birgt ebenfalls einen Hinweis darauf, munkeln Fans. Schon Donald Pleasence hatte man im Jahre 1967 für “Man lebt nur Zweimal” eben jene Narbe am Auge verpasst – seitdem ein viel kopiertes Merkmal und möglicherweise Hinweis für einen neuen Handlungsbogen mit den Erzrivalen Bond und Blofeld. Auch wenn dies bereits die Basis von drei Filmen der Conneryära bildete, so könnte durchaus ein Geniestreich gelingen.

Ebenfalls zur Diskussion regt der Verbleib von Bond und Madeleine Swann an. “Spectre” endete damit, wie beide im legendären Aston Martin DB5 davonfahren. Denkbar für den nächsten Film ist somit einiges. Manch ein Fan erwartet für das kommende Abenteuer einen Sprung zurück zu “Im Geheimdienst Ihrer Majestät” (1969). In dem 007 Klassiker, der in Fankreisen als einer der besten der Reihe gilt, ehelicht James Bond zunächst seine Angebetete und wird kurz darauf Zeuge ihrer Ermordung durch die Terrororganisation Spectre.

James Bond (Daniel Craig) und Madeleine Swann (Léa Seydoux) in "Spectre"
James Bond (Daniel Craig) und Madeleine Swann (Léa Seydoux) in “Spectre”

“Das legt eine Geschichte nahe, die sich an dieser Exposition orientiert,” sagt Andreas Pott. “Blofeld entkommt aus dem Gefängnis und tötet Madeleine um seine Rache an Bond zu vollenden. Bond sinnt natürlich seinerseits auf Rache.”  Als Nachteil an dieser Theorie sieht Pott das Motif Rache – zu oft schon ist dieses verwendet worden, auch in der Ära Craig. Beneiden könne er die Autoren des nächsten Bondfilms nicht, schmunzelt Pott. “Es ist eine Herausforderung. Seit Daniel Craig aktiv ist, wollen die Autoren und die Produzenten mehr. Mehr „Story“, mehr „Mensch Bond“ und mehr „Tiefe“. Sie müssen nun eine plausible Geschichte stricken, die an „SPECTRE“ anschließt.”

Der Braunschweiger Buchautor und Bondexperte Danny Morgenstern ist mit Bond so vertraut wie fast kein Anderer und hat eine Vielzahl an Literatur über den Agenten verfasst. Stärken und Schwächen der einzelnen Filme sind ihm bestens bekannt und seine Erwartungen an Bond 25 beinhalten ebenfalls eine Fortsetzung. Ich erwarte einen Film mit viel Humor, der mit der Intensität von “Skyfall” die “Spectre” Geschichte fortführt,” so Morgenstern. “Ich wünsche mir, dass der Film Daniel Craig die Möglichkeit gibt, die letzten Zweifler zu überzeugen, dass Bond noch immer der Alte ist und doch widerum ganz neu!”

Auch Medienwissenschaftler und Journalist Eric Zerm hat James Bond ein Buch gewidmet. In “Der Spion, den wir lieben” geht er unter anderem der Frage nach, wie und warum sich die Kultfigur James Bond über die Jahre stetig verändert hat. Für den Fall dass Daniel Craig erneut in die Rolle des Geheimagenten schlüpft, so vermutet Zerm ebenfalls ein Wiedersehen mit Christoph Waltz als Ernst Stavro Blofeld und seiner Geheimorganisation SPECTRE. Die Bond-Produzenten haben zu lange für die Rechte auf die Verwendung der beiden klassischen 007-Motive Blofeld und SPECTRE gekämpft, um sie jetzt nach einem einzigen Film schon wieder fallen zu lassen,” erklärt Zerm.

Geschäftsmann des Bösen - Donald Pleasence als Blofeld in "Man lebt nur Zweimal" (1967)
Geschäftsmann des Bösen – Donald Pleasence als Blofeld in “Man lebt nur Zweimal” (1967)

In der Tat war der Neuauflage der Verbrecherorganisation und ihrem Leiter Blofeld ein langer und zäher Rechtsstreit um die Rechte vorausgegangen. Doch auch in diesem Zusammenhang ist für die Produzenten der Filme Vorsicht geboten. Was vielen Fans bei “Spectre” sauer aufstieß, war das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Bond und seinem Erzrivalen. “Eine noch stärkere Vertiefung der familiären Verknüpfung von Bond und seinem Erzfeind sollte im nächsten Film vermieden werden,” meint Zerm. Das wirkte bereits im Film “Spectre” überkonstruiert und wird der ursprünglichen Intention der Figur Blofeld – ein Geschäftsmann des Bösen – auch nicht gerecht.”

Eric Zerm, seit seinem 14. Lebensjahr leidenschaftlicher Bondfan, erwartet für das nunmehr 25. Leinwandabenteuer von Agent 007 zudem ein gutes, überraschendes und ausgereiftes Drehbuch. “Der Film “Spectre” fiel – nachdem die Geschichte bis dahin im Fluss war – im letzten Viertel deutlich ab,” sagt er. “Die Vorgänger “Casino Royale” und “Skyfall” zeigen, dass das viel besser geht.”

James Bond will return

Natürlich wird es in naher Zukunft einen neuen Bondfilm geben. Daran werden die momentan unruhigen Gewässer nicht viel ändern. Zu oft schon hat es diese bei Bond gegeben, bereits in den 1960er Jahren. James Bond ist Popkultur, bekannt auf der ganzen Welt und eine garantierte Einnahmequelle für zahlreiche Geschäftszweige. Zieht man jedoch den stetig steigenden Produktionsaufwand in Betracht, so ist es kaum verwunderlich dass Bond nicht am Fließband produziert wird. Zumindest nicht mehr alle zwei Jahre.

Unterm Strich gilt es Ruhe zu bewahren. Besonders in Anbetracht des gänzlich haltlosen Medienrummels um potentielle Nachfolger von Daniel Craig. Letztlich sind es offizielle Stellungnahmen der Produktionsfirma EON Productions die es abzuwarten gilt.

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